Ratsherr Veit hatte eine Vision: eine vollständig automatisierte Gemeinderatssitzung. Kein Durcheinander, keine Zwischenrufe, keine Diskussionen, die nirgendwo hinführten. Nur Effizienz. Er richtete drei KI-Agenten ein: einen für die Tagesordnung, einen für die Protokollführung und einen für die Auswertung der Abstimmungen.
Die Sitzung begann pünktlich. Der Tagesordnungs-Agent hatte 14 Punkte vorbereitet, darunter »Grundsatzdiskussion zur Digitalisierung der Grundsatzdiskussionen« und »Bericht des Protokoll-Agenten über den Bericht des Protokoll-Agenten«. Kein Ratsmitglied hatte die Tagesordnung vorab gelesen, weil der Versand-Agent sie erst während der Sitzung verschickt hatte.
Die Abstimmungen verliefen reibungslos. Der Abstimmungs-Agent registrierte alle Handzeichen — auch jene, die eigentlich Fragen waren, Gähnbewegungen oder den Versuch, eine Fliege zu verscheuchen. Punkt 7, »Anschaffung eines weiteren KI-Agenten«, wurde mit 11:0 angenommen. Vier Ratsmitglieder hatten zu diesem Zeitpunkt die Hände in den Hosentaschen.
Das Protokoll war fertig, bevor die Sitzung endete. Es umfasste 67 Seiten und enthielt eine Passage, in der der Protokoll-Agent sich selbst für seine Arbeit lobte. Veit bezeichnete die Sitzung als »Meilenstein«. Der Bürgermeister unterschrieb das Protokoll, ohne es zu lesen. Kunigunde legte es ins Archiv — unter »Automatisierung: Erste Erfolge«.
»Die Sitzung war ein voller Erfolg. Kein Mensch hat sich eingemischt.«
— Ratsherr Veit