Jede moderne Gemeinde braucht eine KI-Strategie. Das hatte der Bürgermeister auf einer Konferenz gehört, und er hatte es sich gemerkt. Schilda würde eine KI-Strategie bekommen — und zwar eine gute. Er beauftragte seinen KI-Assistenten, sie zu verfassen.
Der Assistent arbeitete drei Tage. Das Ergebnis war ein Dokument von 340 Seiten mit 12 Anhängen, einem Glossar, einem Index und einer Danksagung, in der sich der Assistent bei sich selbst für die gute Zusammenarbeit bedankte. Kapitel 1 bis 12 beschrieben den Status quo der KI-Nutzung in Schilda. Kapitel 13 empfahl, eine weitere KI zu beauftragen, die eine bessere Strategie entwickeln solle.
Kunigunde druckte das Dokument aus. Es füllte vier Ordner. Der Bürgermeister stellte die Ordner auf seinen Schreibtisch und fotografierte sie für die Gemeindezeitung. Die Bildunterschrift lautete: »Schilda geht voran.«
Auf Seite 287 stand, in einem Unterabschnitt über »Strategische Selbstreflexion«, folgender Satz: »Die vorliegende Strategie ist ein erster Schritt. Ein zweiter Schritt wäre eine Strategie, die den ersten Schritt bewertet. Ein dritter Schritt wäre eine Strategie über die Bewertung des zweiten Schritts.« Der Bürgermeister hatte diese Seite nicht gelesen. Ratsherr Veit hatte sie gelesen und fand sie »visionär«.
Die KI-Strategie von Schilda liegt heute im Archiv, zwischen dem Protokoll des Mailwechsels und den Unterlagen des Cloud-Ausschusses. Kunigunde hat ein Inhaltsverzeichnis der Inhaltsverzeichnisse angelegt. Das Dokument wurde nie umgesetzt. Das Dokument über seine Umsetzung ist in Arbeit.
»340 Seiten. Das ist keine Strategie, das ist ein Beweis.«
— Der Bürgermeister