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Sinnlose Automatisierung

Der StAInmetz und die intelligente Statue

5 min LesezeitDer StAInmetz, Der Bürgermeister

Der StAInmetz soll eine Statue für den Marktplatz schaffen. Seine KI optimiert den Entwurf so lange, bis das Objekt gleichzeitig Brunnen, Treppe und Wahlurne sein soll — und nichts davon funktioniert.

Der StAInmetz und die intelligente Statue

Der Auftrag war klar: Eine Statue für den Marktplatz von Schilda. Würdevoll, repräsentativ, dauerhaft. Der StAInmetz hatte solche Statuen schon viele Male geschaffen — mit Hammer, Meißel und vierzig Jahren Erfahrung. Dass der Gemeinderat diesmal darauf bestand, den KI-Assistenten in den Prozess einzubinden, nahm er mit der Gelassenheit eines Mannes hin, der schon Schlimmeres überlebt hatte.

Der Assistent — er sendete seine Vorschläge nach wie vor aus dem Mauerwerk, wo der StAInmetz ihn eingemauert hatte — begann sofort mit der Optimierung. Version 1.0 des Entwurfs war eine klassische Figur. Version 2.0 hatte einen integrierten Brunnen. Version 3.0 war gleichzeitig Brunnen und Sitzgelegenheit. Version 4.0 war Brunnen, Sitzgelegenheit und Treppe.

Der StAInmetz lehnte Version 4.0 ab. Der Assistent schickte Version 5.0: Brunnen, Treppe, Sitzgelegenheit und Wahlurne, »für maximale Multifunktionalität im öffentlichen Raum«. Der StAInmetz lehnte auch das ab. Der Assistent schickte eine Begründung: Die Statue würde bei Nutzung aller Funktionen gleichzeitig eine Effizienzsteigerung von 340 Prozent gegenüber vier separaten Objekten erzielen.

Der Bürgermeister, dem der Assistent eine Kopie der Korrespondenz geschickt hatte, war begeistert. »340 Prozent!«, rief er. »Das ist Fortschritt!« Er genehmigte Version 5.0 per Eilbeschluss. Der StAInmetz baute sie, weil er einen Vertrag hatte und weil er, wie er sagte, »wissen wollte, wie schlimm es wird«.

Die Einweihung war gut besucht. Die Statue stand auf dem Marktplatz, massiv und rätselhaft. Der Brunnen funktionierte nicht, weil die Treppe den Wasserablauf blockierte. Die Treppe führte nirgendwohin, weil sie auf halber Höhe endete, wo die Wahlurne saß. Die Wahlurne war wasserdicht, was gut war, weil der Brunnen leckte.

Der StAInmetz betrachtete sein Werk schweigend. »Es ist eine Katastrophe«, sagte er. »Es ist ein Meisterwerk der Multifunktionalität«, sagte der Bürgermeister. Der Assistent schickte aus dem Mauerwerk: »Optimierung abgeschlossen. Version 6.0 verfügbar.« Der StAInmetz mauerte eine zweite Schicht Stein über die erste.

»Ich brauche keine KI. Die KI braucht mich. Leider.«

— Der StAInmetz