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KI im Alltag

Der KInstler und das Porträt, das alle waren

5 min LesezeitDer KInstler, Der Bürgermeister

Der KInstler beauftragt eine KI mit dem offiziellen Bürgerporträt Schildas. Am Ende sehen alle Bewohner exakt wie der Bürgermeister aus — und niemand findet das zunächst sonderlich auffällig.

Der KInstler und das Porträt, das alle waren

Es war ein Auftrag von historischer Bedeutung, wie der KInstler nicht müde wurde zu betonen: Das offizielle Bürgerporträt von Schilda sollte gemalt werden. Alle Bewohner, auf einer Leinwand, für die Nachwelt. Der KInstler hatte dafür seinen neuen KI-Assistenten vorgesehen, der Porträts »in Echtzeit und mit maximaler Ausdruckskraft« generieren konnte, wie es in der Produktbeschreibung hieß.

Das Problem begann beim Trainingsmaterial. Der KInstler hatte dem System als Referenz ausschließlich die vorhandenen Porträts des Bürgermeisters hochgeladen — es waren die einzigen, die er digital vorliegen hatte, denn der Bürgermeister hatte sich in den vergangenen Jahren besonders häufig malen lassen. Siebenundzwanzig Mal, um genau zu sein.

Die KI lernte fleißig. Als der KInstler die ersten Ergebnisse betrachtete, war er zunächst begeistert: Die Porträts waren technisch makellos, die Farben leuchtend, die Komposition ausgewogen. Dass alle Dargestellten eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bürgermeister aufwiesen, fiel ihm erst beim dritten Bild auf. Beim fünften war es unübersehbar. Beim zwölften hatten alle Bewohner Schildas denselben Schnauzbart.

Kunigunde, die als erste ihr Porträt abholte, betrachtete es lange schweigend. »Das bin ich?«, fragte sie schließlich. »Das ist eine stilistische Interpretation«, sagte der KInstler. »Die KI hat Ihre innere Würde erfasst.« Kunigunde nahm das Bild mit. Sie hängte es ins Archiv, unter »Unklassifiziertes«.

Ratsherr Veit war entzückt von seinem Porträt. »Ich sehe aus wie ein Staatsmann«, sagte er. »Du siehst aus wie der Bürgermeister«, sagte Hans. »Das ist dasselbe«, sagte Veit. Der Bürgermeister selbst, als er die Sammlung besichtigte, war sichtlich gerührt. »Ich wusste nicht, dass ich so viele Gesichter habe«, sagte er.

Das offizielle Bürgerporträt von Schilda wurde schließlich im Rathaus aufgehängt. Es zeigt neunzehn Bewohner, alle mit demselben Schnauzbart, alle mit demselben leicht selbstgefälligen Lächeln. Der KInstler nennt es sein Meisterwerk. Der Bürgermeister hat es als Profilbild verwendet. Niemand hat widersprochen.

»Die KI malt, was sie kennt. Sie kennt den Bürgermeister sehr gut.«

— Der KInstler